Der Waldbot - Projekt 

Das Projekt

Der Name Walpot oder Waldbot entstammt aus einer  "Amtsbezeichnung" der Bassenheimer Ritter. Der Waldbot (Gewaltbote) nimmt Funktionen eines Dienstmannen wahr, der zum Beispiel "Polizeigewalt und Rechtsprechung" inne hat.
Im 11.bis 12. Jahrhundert prägen die Salier maßgeblich die deutsche Geschichte. Unter ihrem Herrschaftsverständnis wird die Verteilung regionaler Gewalt auf die sog. Ministerialen deutlich ausgebaut. Zunächst sind dies unfreie Verwalter im Dienste des Königs, des überregionalen Adels und der Bischöfe. Später, im Hochmittelalter, entwickelt sich hieraus die Schicht des Dienst- bzw. Ministerialadels.

970 wird dieser Titel erstmalig erwähnt als Ministerialer der Grafen von Sayn. 1136 werden die Walpoden in Bassenheim urkundlich erwähnt mit den Brüdern Siegfriedus Gebhardus und Fridericus de Waltmaneshusen, nach der Ortschaft Waldmannshausen (heute ein Ortsteil der Gemeinde Elbtal) .

Meine in die erste Hälfte des 11. Jhd. angesiedelte Person stellt einen solchen Dienstmann dar.

Die Zeit / Hintergründe

Das neu enstehende Reich sieht sich im 10. Jhd. immer wieder in seiner Existenz bedroht. Das von vielen erwartete Ende der Welt bleibt jedoch aus und so beginnt im neuen Jahrtausend eine Art "Aufbruchstimmung".
Das Adelshaus Konrads bietet nach dem kinderlosen Tod Heinrichs II. die Kraft, das Reich in das neue Jahrtausend zu führen. So wird am 4. Semptember 1024 in Kamba (in der Nähe von Oppenheim) ein neuer deutscher König gewählt, und 4 Tage später in Mainz gekrönt. Sein Name: Konrad II (der ältere). Mit ihm wird heute der Beginn des Geschlechts der Salier festgelegt. (Die Bezeichnung "Salier" selbst wird erst viel später, Anfang des 12. Jhd., erwähnt)
Es beginnt eine Zeit reger und großartiger Bautätigkeit. Viele neue monumentale sakrale Bauten entstehen - in unserer Gegend ist hier wohl vor allem das Kloster Maria Laach zu nennen (Beginn um 1093) - aber auch die Städe wachsen stark.  Die geht vor allem zulasten der regionalen Untertanen, welche die baulichen Leistungen zusätzlich zur ihren normalen Aufgaben erbringen müssen.

Gesellschaft

Diese Entwicklung hat deutliche Änderungen für die Gesellschaft zur Folge. Wichtigste Änderung ist ein neu entstehendes Gesellschaftsbild. Die Bevölkerung wird unterteilt in diejenigen die arbeiten und für die Lebensmittelproduktion verantwortlich sind (laboratores), diejenigen die die für das geistliche Wohl verantwortlich sind (oratores) und zuletzt der Teil, der für den Schutz aller steht (bellatores, pugnatores).
"got hat driu leben geschaffen - gebure ritter unde pfaffen" - Freidank.

Die Rechtsprechung wandelt sich von der Bußengerichtsbarkeit zur Strafgerichtsbarkeit. Eine gerechte Bestrafung des Schädigers gewinnt der gegenüber dem Gedanken der Entschädigung an Gewicht.
Das Verständnis der Herrschaft wird stärker, sowohl in den weltlichen als auch in den kirchlichen Strukturen. Vor allem in der 2. Hälfte des 11. Jhd. wird in Quellen von "einem Rückgang der Barmherzigkeit" gesprochen (Weinfurter). Gehorsamspflicht wird zum heiligen Gesetz.
Um diese neuen Herrschaftsformen zu sichern, steigt der Bedarf nach zuverlässigen Helfern "servi proprii" die sowohl in der Verwaltung, als auch im Kriegesdienst eingesetzt werden. Der Begriff "ministeriales" wird zunächst im Bereich der Bischofskirche verwendet. Im weltlichen Umfeld ist mehr von den Dienstmannen (servientes) die Rede.
Die Rechte und Pflichten dieser Gruppe werden erblich und sind schriftlich festgehalten, so zum Beispiel im Bamberger Ministerialienrecht. Dieses bestimmt, dass Lehen erblich werden und ihre Inhaber nur als Truchsess, Mundschenk, Kämmerer, Marschall oder Jägermeister herangezogen werden - nicht aber zur Feldarbeit (Johannes Laudage).
Dieser neu entstehende Kriegerstand versucht seine mititärische und rechtliche Sonderrolle auszubauen, was sich unter anderem im Bau von Burgen (Motten in dieser Zeit) niederschlägt. Das Verhältnis des Dienstmannen zu seinem Herren wird dadurch besiegelt, dass dieser seine gefalteten Hände in die seines Herren legt und den Treueeid schwört (sacramentum fidelitatis fidelitas).

Man kann annehmen, dass sich die Verhältnisse für die große Masse der Unfreien verschlechtert - der herrschaftliche Druck wird größer. Auf der anderen Seite wird durch die neue Gerichtsbarkeit der Schutz vor Willkür deutlich besser.

Sprache(n)

Das salische Herrschaftsgebiet umfasst den Lebensraum vieler Völker. Im zentralen Herrschatsgebiet spricht man althochdeutsch aus dem sich in dieser Zeit das Mittelhochdeutsche entwickelt - in der Bassenheimer Region stark durch das moselfränkische beeinflusst. Vom Westen her breitet sich Altfranzösisch aus, im Osten spricht man slawisch, im Süden altitalienisch und grieschisch. Deckel des Ganzen bildet Latein, vor allem in der Kirche und um Rechtswesen.

Lesen und Schreiben

Es gibt kaum Funde von Schreibuntensilien, was auch für die Burgen gilt. So kann man davon ausgehen, dass diese Fähigkeit größtenteils dem Klerus vorbehalten ist. Im Rahmen der Rechsprechung durch Dienstmannen wird dies zumindest teilweise der Fall gewesen sein.

Klima

Das Klima ist bis zur Mitte des 11. Jhd warm - ähnlich wie heute (mittelalterliche Wärmperiode). Die günstigen klimatischen Bedingungen, sowie neue landwirtschaftliche Methoden sorgen für eine verbesserte Produktion und damit auch ein Anstieg der Bevölkerung. Gegen Ende des 11. Jhd verschlechtert sich das Klima so zum Beispiel der Winter 1076/77, der sich durch extreme Kälte von November bis März kennzeichnet. 

(c) Jens Hildebrandt