Hadubrand - Texte

Einige Texte zum Hildebrandslied

Nachfolgend stelle ich hier Texte zum Hildebrandslied zusammen und werde dies hin und wieder erweitern.  Der Anspruch auf Vollständigkeit besteht hier allerdings nicht.

Das ältere Hildebrandslied

Hier handelt es sich um ein Stabreim Gedicht, bestehend aus 68 Zeilen (unvollständig).

Althochdeutsche Fassung

  1. Ik gihorta dat seggen,
  2. dat sih urhettun ænon muotin,
  3. Hiltibrant enti Hadubrant untar heriun tuem.
  4. sunufatarungo iro saro rihtun.
  5. garutun se iro gudhamun, gurtun sih iro suert ana,
  6. helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun,
  7. Hiltibrant gimahalta [Heribrantes sunu]: her uuas heroro man,
  8. ferahes frotoro; her fragen gistuont
  9. fohem uuortum, hwer sin fater wari
  10. fireo in folche, ...............
  11. ............... "eddo hwelihhes cnuosles du sis.
  12. ibu du mi enan sages, ik mi de odre uuet,
  13. chind, in chunincriche: chud ist mir al irmindeot".
  14. Hadubrant gimahalta, Hiltibrantes sunu:
  15. "dat sagetun mi usere liuti,
  16. alte anti frote, dea erhina warun,
  17. dat Hiltibrant hætti min fater: ih heittu Hadubrant.
  18. forn her ostar giweit, floh her Otachres nid,
  19. hina miti Theotrihhe enti sinero degano filu.
  20. her furlaet in lante luttila sitten
  21. prut in bure, barn unwahsan,
  22. arbeo laosa: her raet ostar hina.
  23. des sid Detrihhe darba gistuontun
  24. fateres mines: dat uuas so friuntlaos man.
  25. her was Otachre ummet tirri,
  26. degano dechisto miti Deotrichhe.
  27. her was eo folches at ente: imo was eo fehta ti leop:
  28. chud was her..... chonnem mannum.
  29. ni waniu ih iu lib habbe".....
  30. "wettu irmingot [quad Hiltibrant] obana ab hevane,
  31. dat du neo dana halt mit sus sippan man
  32. dinc ni gileitos".....
  33. want her do ar arme wuntane bauga,
  34. cheisuringu gitan, so imo se der chuning gap,
  35. Huneo truhtin: "dat ih dir it nu bi huldi gibu".
  36. Hadubrant gimahalta, Hiltibrantes sunu:
  37. "mit geru scal man geba infahan,
  38. ort widar orte. ...............
  39. du bist dir alter Hun, ummet spaher,
  40. spenis mih mit dinem wortun, wili mih dinu speru werpan.
  41. pist also gialtet man, so du ewin inwit fortos.
  42. dat sagetun mi seolidante
  43. westar ubar wentilseo, dat inan wic furnam:
  44. tot ist Hiltibrant, Heribrantes suno".
  45. Hiltibrant gimahalta, Heribrantes suno:
  46. "wela gisihu ih in dinem hrustim,
  47. dat du habes heme herron goten,
  48. dat du noh bi desemo riche reccheo ni wurti".
  49. "welaga nu, waltant got [quad Hiltibrant], wewurt skihit.
  50. ih wallota sumaro enti wintro sehstic ur lante,
  51. dar man mih eo scerita in folc sceotantero:
  52. so man mir at burc enigeru banun ni gifasta,
  53. nu scal mih suasat chind suertu hauwan,
  54. breton mit sinu billiu, eddo ih imo ti banin werdan.
  55. doh maht du nu aodlihho, ibu dir din ellen taoc,
  56. in sus heremo man hrusti giwinnan,
  57. rauba birahanen, ibu du dar enic reht habes".
  58. "der si doh nu argosto [quad Hiltibrant] ostarliuto,
  59. der dir nu wiges warne, nu dih es so wel lustit,
  60. gudea gimeinun: niuse de motti,
  61. hwerdar sih hiutu dero hregilo rumen muotti,
  62. erdo desero brunnono bedero uualtan".
  63. do lettun se ærist asckim scritan,
  64. scarpen scurim: dat in dem sciltim stont.
  65. do stoptun to samane staim bort chludun,
  66. heuwun harmlicco huitte scilti,
  67. unti imo iro lintun luttilo wurtun,
  68. giwigan miti wabnum ...............
Übersetzung

  1. Ich hörte das sagen,
  2. daß sich Herausforderer einzeln abmühten:
  3. Hildebrand und Hadubrand zwischen zwei Heeren.
  4. Sohn und Vater bereiteten ihre Rüstung,
  5. richteten ihre Kampfgewänder, gürteten sich ihre Schwerter um,
  6. die Helden, über die Rüstung, als sie zu dem Kampf ritten.
  7. Hildebrand sagte, Heribrands Sohn, er war der ältere Mann,
  8. des Lebens erfahrener, er begann zu fragen,
  9. mit wenigen Worten, wer sein Vater gewesen sei
  10. unter den Menschen im Volke...
  11. "...oder aus welchem Volke du bist
  12. wenn Du mir einen nennst, kenne ich die anderen
  13. Menschen im Reich, bekannt ist mir die ganze Menschheit".
  14. Hadubrand sagte, Hildebrands Sohn:
  15. "Das sagten mir unsere Leute,
  16. alte und weise, die früher schon da lebten,
  17. daß Hildebrand mein Vater heiße, ich heiße Hadubrand.
  18. Vormals ist er nach Osten geritten, er floh den Zorn Odoakers,
  19. dorthin mit Dietrich und vielen seiner Kämpfer.
  20. Er ließ im Lande arm zurück
  21. die Frau in der Hütte und den unerwachsenen Sohn
  22. erblos: Er ritt nach Osten hin.
  23. Deswegen erlitt seither Dietrich die Abwesenheit
  24. meines Vaters: Der war ein so freundloser Mann.
  25. Er zürnte Odoaker unmäßig,
  26. der liebste der Kämpfer Dietrichs.
  27. Er war immer an der Spitze des Heeres, ihm war immer der Kampf zu lieb,
  28. Bekannt war er...den Tapfersten.
  29. Ich glaube nicht, daß er noch lebt..."
  30. "Weißt Du Gott", sprach Hildebrand, "oben vom Himmel,
  31. daß du niemals solchermaßen verwandte Männer
  32. in eine Angelegenheit hast geraten lassen!"
  33. Er wand sich dann von den Armen gewundene Ringe ab,
  34. aus kaiserlichem Gold gemacht, wie sie ihm der König gab,
  35. der Herrscher der Hunnen. "Das gebe ich dir nun aus Freundschaft!"
  36. Hadubrant, Hildebrands Sohn, sagte:
  37. "Mit dem Speer soll man Geschenke annehmen,
  38. Spitze gegen Spitze!
  39. Du dünkst dich, alter Hunne, unmäßig schlau.
  40. Verlockst mich mit deinen Worten, willst deinen Speer nach mir werfen.
  41. Du bist ein so alter Mann, wie du ewig Betrug im Sinn hast.
  42. Das sagten mir Seeleute,
  43. westlich über dem Ozean, daß ihn ein Kampf hinnahm:
  44. Tot ist Hildebrand, Heribrands Sohn!"
  45. Hildebrand, Heribrands Sohn, sagte:
  46. "Wohl sehe ich an deiner Rüstung,
  47. daß du daheim einen guten Herrn hast,
  48. daß du in diesem Reich noch nie vertrieben wurdest.
  49. Wohlan, nun walte Gott, sagte Hildebrand, Unheil geschieht:
  50. Ich wanderte 60 Sommer und Winter außer Landes;
  51. wo man mich immer in das Heer der Kämpfer einordnete.
  52. Wenn man mir an jedweder Burg den Tod nicht beibringen konnte:
  53. Nun soll mich das eigene Kind mit dem Schwerte schlagen,
  54. niederschmettern mit der Klinge, oder aber ich werde ihm zum Töter.
  55. Du kannst wohl leicht -wenn deine Kraft (dir) ausreicht-
  56. von einem so alten Mann eine Rüstung gewinnen,
  57. Beute rauben, wenn Du da irgendein Recht hast.
  58. Der sei doch nun der feigste, sagte Hildebrand, von den Ostleuten,
  59. der dir nun den Kampf verweigerte, wo es dich doch so sehr gelüstet,
  60. nach gemeinsamem Kampf; (nun) versuche wer mag,
  61. wer von beiden heute das Gewand lassen muß
  62. und dieser Brünnen beider walten (wird)."
  63. Dann ließen sie zuerst die Eschenlanzen bersten
  64. in scharfem Kampf, daß sie in den Schilden steckten.
  65. Da ritten sie gegeneinander, spalteten farbige Schilde,
  66. schlugen gefährlich auf weiße Schilde,
  67. bis ihnen ihre Lindenschilde zu Bruch gingen,
  68. zerstört von den Waffen...

Das Ende also offen.
Hier nun Fassungen des sog. "Jüngeren"  Hildebrandslieds. Beide Versionen sind dann auch um die Schlussstrophe erweitert und enden gütlich.


Version 1

"Ich wil zu Land ausreiten", 
sprach sich Meister Hiltebrant,
»Der mir die Weg tet weisen 
gen Bern wol in die Land,
Die seind mir unkund gewesen 
vil manchen lieben Tag:
In zwei und dreißig jaren 
Fraw Utten ich nie gesach.«

»Wilt du zu Land ausreiten«, 
sprach sich Herzog Abelung,
»Was begegent dir auf der Heiden?
Ein schneller Degen jung.
Was begegent dir auf der Marke?
Der jung Herr Alebrant;
Ja, rittest du selbzwölfte, 
von im wurdest angerant.«

»Ja, rennet er mich ane
in seinem Ubermut,
Ich zerhaw im seinen grünen Schild,
es tut im nimmer gut,
Ich zerhaw im sein Brinne 
mit einem Schirmenschlag,
Und daß er seiner Mutter 
ein ganz jar zu klagen hat.«

»Das solt du nicht entun«, 
sprach sich Herr Dieterich,
»Wann der jung Herr Alebrant 
der ist mir von Herzen lieb;
Du solt im freundlich zusprechen 
wol durch den Willen mein,
Daß er dich wöl lassen reiten, 
als lieb als ich im mag sein.«

Do er zum Rosengarten ausreit 
wol in des Berners Marke,
Do kam er in große Arbeit 
von einem Helden starke,
Von einem Helden junge 
da ward er angerant:
»Nun sag an, du vil Alter, 
was suchst in meines Vatters Land?

»Du fürst dein Harnisch lauter und rain, 
recht wie du seist eins Königs Kind,
Du wilt mich jungen Helden 
mit gesehenden augen machen blind;
Du soltest da heimen bleiben 
und haben gut Hausgemach
Ob einer heißen Glute.« 
Der Alte lachet und sprach:

»Sölt ich da heimen bleiben 
und haben gut Hausgemach?
Mir ist bei allen meinen Tagen 
zu raisen aufgesetzt,
Zu raisen und zu fechten 
bis auf mein Hinefart,
Das sag ich dir vil jungen, 
darumb grawet mir mein bart.«

»Dein Bart will ich dir ausraufen, 
das sag ich dir vil alten Man,
Daß dir dein rosenfarbes plut 
uber dein wangen muß abgan;
Ein Harnisch und dein grünen Schild
must du mir hie aufgeben,
Darzü must mein gefangner sein,
wilt du behalten dein leben.«

»Mein Harnisch und mein grüner Schild, 
die teten mich dick ernern,
Ich traw Christ vom Himel wol, 
ich wil mich dein erweren.«
Sie ließen von den Worten, 
sie zugen zwei scharpfe Schwert,
Und was die zwen Helden begerten,
des wurden die zwen gewert.

Ich weiß nit, wie der junge 
dem Alten gab einen Schlag,
Daß sich der alte Hiltebrant 
von Herzen sere erschrack.
Er sprang hinter sich zu rucke 
wol siben Klafter weit:
»Nun sag an, du vil junger, 
den Streich lernet dich ein Weib!«

»Sölt ich von Weibern lernen, 
das wer mir immer ein Schand,
Ich hab vil Ritter und Knechte 
in meines Vatters Land,
Ich hab vil Ritter und Grafen 
an meines Vatters Hof,
Und was ich nit gelernet hab, 
das lerne ich aber noch.«

Er erwüscht in bei der Mitte, 
da er an dem schwechsten was,
Er schwang in hinder sich zu rucke
wol in das grüne Gras:
»Nun sag mir, du vil junger, 
dein Beichtvater wil ich wesen:
Bist du ein junger Wölfinger, 
von mir magst du genesen.

Wer sich an alte Kessel reibt, 
der empfahet gern Rame,
Also geschieht dir, vil jungen, 
wol von mir alten Manne;
Dein Beicht solt du hie aufgeben 
auf diser Heiden grün,
Das sag ich dir vil eben, 
du junger helde kün.«

»Du sagst mir vil von Wölfen, 
die laufen in dem Holz:
Ich bin ein edler Degen 
aus Krichenlanden stolz,
Mein Mutter die heißt Fraw Utte, 
ein gewaltige Herzogin,
So ist der Hiltebrant der alte 
der liebste Vater mein.«

»Heißt dein Muter Fraw Utte, 
ein gewaltige Herzogin,
So bin ich Hiltebrant der alte, 
der liebste Vatter dein.«
Er schloß ihm auf sein gulden Helm 
und kust in an seinen Mund:
»Nun müß es Gott gelobet sein, 
wir seind noch beid gesund.«

»Ach Vater, liebster Vater, 
die Wunden, die ich dir hab geschlagen,
Die wolt ich dreimal lieber 
in meinem Haubte tragen.«
»Nun schweig, du lieber Sune: 
der Wunden wirt gut Rat,
Seid daß uns got all beide 
zusammen gefüget hat.«

Das weret von der None 
biß zu der Vesperzeit,
Biß daß der jung Her Alebrant 
gen Bern einhin reit.
Was fürt er an seinem Helme? 
Von Gold ein Krenzelein.
Was fürt er an der Seiten? 
Den liebsten Vater sein.

Er fürt in mit im in seinen Sal 
und satzt in oben an den Tisch,
Er pot im Essen und Trinken, 
das daucht sein Mutter unbillich.
»Ach Sune, lieber Sune, 
ist der Eren nicht zu vil,
Daß du mir ein gefangen Man 
setzst oben an den Tisch?«

»Nun schweige, liebe Mutter, 
ich will dir newe Meer sagen:
Er kam mir auf der Heide 
und het mich nahent erschlagen;
Und höre, liebe Mutter, 
kein Gefangner sol er sein:
Es ist Hiltebrant der alte, 
der liebste Vater mein.

»Ach Mutter, liebe Mutter mein, 
nun beut im Zucht und Er!«
Do hub sie auf und schenket ein 
und trug ims selber her;
Was het er in seinem Munde? 
Von Gold ein Fingerlein,
Das ließ er inn Becher sinken 
der liebsten Frawen sein.
Version 2 (älter)

'Ich wil zu land usriten,'
sprach sich meister Hiltebrant

'der mich die weg wise 
gen Bern wol in die lant.

die sint mir unkunt gewesen
vil mengen lieben tag,

in zwei und drissig jaren 
fraw Uten ich nie gesach.'

 
'Wiltu zu land usriten,'
sprach sich herzog Abelon

'was begegnet dir uf der heide?       
ein schneller degen jung.

was begegnet dir uf der marke?       
din sun her Alebrant.

ja rittestu selbzwelfte,       
von im wurdest angerant.'

 
'Ja rennet er mich ane       
in sinem übermut,

ich zerhowe im sinen grünen schilt,       
es tut im nimmer gut,

ich zerhow im sin brinne       
mit einem schirmeschlag

und das er siner muter       
ein ganz jar zu klagen hat.'

 
'Das ensoltu nicht tun,'       
sprach sich von Bern her Dieterich

'wan der jung her Alebrant       
ist mir von herzen lieb.

du solt im fruntlich zusprechen       
wol durch den willen min,

das er dich lass riten,       
als lieb ich im mög sin.'

 
Do er zum rosengarten usreit        
wol in des Berners marke,

do kam er in gross arbeit       
von einem helden starke;

von einem helden junge       
da wart er angerant

'nun sag an, du vil alter,       
was suchst in dinem lant?

 
Du fürest din harnesch luter und clar     
recht wie du sist eins küniges kint,

du wilt mich jungen helden       
mit gesehenden ougen machen blint.

du soltest da heimen bliben       
und haben gut husgemach

ob einer heissen glute.'       
der alte lachet und sprach

 
'Solt ich da heimen bliben       
und haben gut husgemach?

mir ist bi allen minen tagen       
zu reisen ufgesatzt,

zu reisen und zu fechten       
bis uf min hinefart.

das sag ich dir, vil junger,       
darumb grawet mir min bart.'

 
'Din bart wil ich dir usroufen,       
das sag ich dir, vil alter man,

das dir das rosenfarbe blut       
über die wangen muss abgan.

din harnesch und din grünen schilt       
den must du mir hie ufgeben,

dar zu bis min gefangner,      
wilt du behalten din leben.'

 
'Min harnesch und min grüner schilt       
die hant mich dick ernert,

ich truwe wol Crist von himel,      
ich wolle mich din erweren.'

sie liessen von den worten,       
sie zugen zwei scharfe schwert.

was die zwen helden begerten,     
des wurden sie gewert.

 
Ich weiss nicht wie der junge     
dem alten gab ein schlag,

das sich der alte Hiltebrand      
von herzen ser erschrack.

er sprang hinder sich zu rücke       
wol siben clafter wit

'nun sag, du vil junger,       
den streich lert dich ein wib.'

 
'Solt ich von wiben lernen,       
das wer mir immer ein schand.

ich han vil ritter und knechte       
in mines vaters land,

ich han vil ritter und grafen       
an mines vaters hof:

und was ich nicht gelernet han,       
das lern ich aber noch.'

 
Er erwischet in bi der mitte       
da er am schwechsten was,

er schwang in hinder sich zu rücke       
wol in das grüne gras.

'nun sag du mir, vil junger,       
din bichtvater wil ich wesen,

bistu ein junger Wölfinger,       
von mir magst du wol genesen.

 
Der sich an alte kessel ribet,        
der enpfahet gern ram.

als geschieht dir, vil junger,       
wol von mir alten man.

din bicht soltu hie ufgeben       
uf diser heiden grün,

das sag ich dir vil eben,       
du junger helde kün.'

 
'Du sagst mir vil von wolfen,        
die loufen in dem holz:

ich bin ein edler degen       
us Kriechenlanden stolz,

min muter heist fraw Ute,       
ein gewaltige herzogin,

so ist Hiltebrant der alte       
der liebste vater min.'

 
'Heist din muter fraw Ute,       
ein gewaltige herzogin,

so bin ich Hiltebrant der alte,        
der liebste vater din.'

er schloss im uf sin guldin helm,       
er kust in an sinen munt

'nun muss es got gelobet sin,       
wir sin noch beid gesunt.'

 
'Ach vater, liebster vater min,
die wunden die ich dir han geschlagen,

die wolt ich dristunt lieber       
in minem houpte tragen.'

'nun schwig, lieber sun,       
der wunden wirt gut rat,

sid das uns got al beide       
zusamen gefüget hat.'

 
Das weret von der none        
bis zu der vesperzit,

bis das der jung her Alebrant       
gen Bern ine reit.

was fürt er uf sinem helme?        
von gold ein krenzelin.

was fürt er an siner siten?       
den liebsten vater sin.

 
Er furt in in siner muter hus,        
er satzt in oben an den tisch.

das ducht sin muter       
gar unbillich.

'ach sun, min liebster sun,       
ist dir der eren nicht zu vil,

das du ein gefangen man       
setzest oben an den tisch?'

 
'Nun schwigent, liebste muter,       
und land euch sagen,

er het mich uf der heide      
gar nach erschlagen.

und hörent, liebste muter,       
kein gefangner sol er nicht sin,

es ist Hiltebrant der alte       
der liebste vater min.

Ach muter, liebste muter,       
nun biet im zucht und er.'


K. Müllenhoff / W. Scherer, Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem VIII–XII Jahrhundert.

Vierte Ausgabe von E. Steinmeyer. 2. Band. 3. Aufl 1892. Nachdruck Berlin/Zürich 1964, S. 26-30.




Hildebrandt
(c) Jens Hildebrandt